Montag, 30. März 2009

oh marokko...

Also: Marokko ist definit eines der schönsten Länder unserer Erde. Viele Leute denken bei Marokko an den Islam, an Armut und an fremde (=angstmachende) Kultur . Aber Marokko ist der Hammer, die Natur ist soooo abwechslungsreich und die Menschen so interessant!

Zur Natur: Ich dachte immer Afrika ist braun, aber Marokko ist die grüne Insel im Nordwesten.
Es gibt die schönsten Strände, kilometerlang, naturbelassen, mit Klippen oder mit Dünen, wie man es gerne mag. Die Fischer holen die Fische direkt aus dem wilden Meer und bereiten ein Barbecue direkt am Strand vor deinen Augen.
Es gibt den mittleren Atlas, mit seinen Zeder- und Eukalyptuswäldern, mit den 1000 Quellen und Wasserfällen, mit den Affen und den Berberdörfern am Berghang. Eine Welt in allen vorstellbaren Grüntönen.
Es gibt den Hohen Atlas mit den höchsten Gipfeln Afrikas, Schneebedeckte Berge mit atemberaubenden Schluchten. Man leiht sich nen Esel der einem das Gepäck trägt und wandert über Bergpässe und an Flussläufen entlang. (An Tom: die Preise pro Tag liegen so bei 5 Euro für den Esel und nochmal soviel für einen Führer)
Es gibt den Antiatlas mit seinen hügeligen Argan- und Olivenhainen, überall am Straßenrand kann man frisch gepresstes Öl oder auch leckeren Honig kaufen.
Es gibt die Wüste, endlose Dünen in denen man in Beduinenzelten übernachtet und sich den atemberaubenden und unendlich weiten Sternenhimmel anschaut.
Es gibt schöne Städte, wer aber nach Marrakech und Fès fährt wird vielleicht enttäuscht sein, denn die orientalische Lebensart mischt sich mit dem Touristenstrom und obwohl die Städte hübsch sind ist es Stress und nicht das, was Marokko ausmacht.

Die Menschen: Ich mag auch die Menschen. Mit ein paar Floskeln arabisch (da reicht schon "Guten Tag, wie gehts? Gut, Gottseidank!" und vor allem einem netten Lächeln ist man ein Freund. Lässt man seine Angst fallen wird einem die Herzlichkeit der Menschen entgegenwehen (nur auf nicht-touristische Gegenden anwendbar ;-). Die Araber sind von natur aus sicher genauso argwöhnisch wie wir, aber wenn man damit umzugehen weiß kommt man mit allen zurecht, und es macht Spaß ihnen zu zeigen, dass nicht alle Europäer kaltherzige Geldbeutel sind, genauso wie es Spaß macht zu sehen, dass die Menschen nicht böse und grimmig sind sondern einfach viel Wert auf bestimmte Rituale legen, die uns fremd sind. Beherrscht man sie, ist einem ein Lächeln gewiss.

Vorletztes Wochenende war ich mit Anja und Andreas in Essaouira, ein windiger Ort am Meer mit Festung und vielen Surfern. Es ist ein alter Hippie-Ort, Jimmy Hendrix war da mal und viele Künstler haben sich dort niedergelassen. Wenn man länger bleibt kann man sehr schön entspannen, wir sind allerdings weiter Richtung Süden nach Agadir, eine Hochburg der deutschen Touristen. Ja sogar die Kellner sprechen deutsch...



Küstenstadt Essaouira

Letztes Wochenende waren wir in Oualidia, einem Geheimtipp in Sachen Strand! Genau wie ich es schon beschrieben habe und noch mehr: eine blaue Lagune, umgeben von hügeligen Dünen und den Felsen im Meer, die die Wellen brechen und einen idealen Badeort daraus machen. Einen km weiter dann die langen, menschenlosen Strände mit Entspannungsgaratie, das Meeresrauschen, der Wind, Ruhe und Frieden. Der Fischerort, mit allen Sorten Fisch und Meeresfrüchten. Man sucht sich die noch lebenden Stücke aus und wird anschließend verwöhnt mit einem Mahl und einer Auswahl, die einen in Deutschland ein Vermögen kosten würden. Wir haben uns ne kleine Villa direkt hinter den Dünen gemietet (50 Euro pro Nacht zu sechst) und sind abwechselnd schlemmen, schwimmen und chillen gegangen. Das war herrlich! Im Sommer möglicherweise von Caravan-fahrenden Franzosen belagert, aber in der Nebensaison einer der schönsten Plätze Marokkos zum entspannen.


Ein Traum von Meer - Oualidia

Dieses Wochenende hab ich mir zum ersten Mal selbst ein Auto gemietet (25 Euro pro Tag) und mich auf nen Roadtrip begeben. Hab Judith nach Ceuta, der spanischen Enklave begleitet, um ihr Visa aufzufrischen. Ceuta ist eine europäische blinkende und glitzernde Perle im Mittelmeer, abgeschottet von Marokko durch Grenzzaun und Sicherheitsdraht. Alles ist schön und man kann alles kaufen. Nur die Menschen scheinen etwas Angst zu haben vor den "Marokkanern, die klauen doch immer und sind doch alle Terroristen". Die armen, gefangen in ihrem Palast... Naja nichtsdestotrotz haben wir die europäische Abendkultur sehr genossen und es uns gut gehen lassen. Am nächsten Tag sind wir zurück nach Marokko, am ältesten Windpark vorbei, auf dem Bergkamm einer 400 Meter hohen Hügelkette! Der Wind pfeift da durchgehend mit durchschnittlich 40 km/h! Man glaubt man wird weggeweht und fragt sich wie die Anlagen das aushalten. Von dort ging es weiter ins Rifgebirge nach Chefchaouen. Auf dem Weg fährt man ein Flussbett entlang, immer tiefer ins Gebirge hinein, umgeben von immer höher werdenden Gipfeln. Der Ort schmiegt sich an einen Berghang und ist super entspannt. Die Gassen sind eng an die Häuder blau-weiß, im Hintergrund die schöne Szenerie der Berggipfel. Es gibt tolle billige Riads mit Natursteinduschen und Dachterassen mit Couchen zum entspannen. Viele junge Spanier waren dort, angeblich wegen der Nähe zu den Hanfanbaugebieten in der Nähe, aber davon haben wir nichts mitbekommen.









On the Road - Ceuta und Chefchaouen


Zurück in Rabat warten wir schon alle auf den richtigen Sommer. Nächsten Monat fängt hier die Festival Saison an , weshalb ich meinen Aufenthalt wohl noch etwas verlängern werde. Nach Rabat kommen Cheb Khaled (Aisha, aisha, écoute-moi!), der hier ein absoluter Superstar ist und den ich unbedingt sehen will. Außerdem Stevie Wonder, Kylie Minogue, Darga (Seeed Marokkos) und viele andere bekannte nationale und internationale Stars.

Nächstes Wochenende wollen wir nach Oulmès, ein Ort im mittleren Atlas, der für seine Thermalquellen und Schluchten bekannt ist und inmitten schöner Natur liegt. Wandern und in den Quellen baden... Mhmmmmm.

Donnerstag, 19. März 2009

arabisch...

Hey!

Ich mal wieder. Ich kann arabisch lesen! Voll cool, mir fehlen noch 5 buchstaben oder so. Dabei hat mich das anfangs garnicht interessiert. Das kam dann aber mehr oder weniger von selbst, wenn du merkst, dass die Buchstaben sich wiederholen, nur in anderen Reihenfolgen. Und irgendwann stand ich am Zeitungsstand und schaute auf die Headlines und aus meinem Mund kam so was wie "Schrbsans" oder "Alukrbns". Sorry ich weiß auch nicht was das heißt aber zum Beispiel kann ich "Nikutin" auf der Kippenpackung entziffern, oder wenn im Fernsehen Fußball läuft kann ich meistens erraten wer spielt. Oder Firmennamen. Ok, wirklich hilfreich ist das jetzt nicht im täglichen Leben, aber irgendwie cool, wie so ne Geheimsprache!
Sprechen kann ich leider noch nicht, also nicht flüssig. Ich kann so die die wichtigsten Standardfloskeln wie "Guten Tag wie gehts? Gut? Gott Sei Dank! Zwei Kilo Linsen bitte! Wenig! Das reicht! Ah, kein Problem. Danke, Bruder. Ciao!" Oder "Gibt es Wasser? Es gibt kein Wasser? Oh nicht gut. Ich hätte gerne zwei davon. Was kostet das?" Blabla und so weiter der alltägliche alltagsquatsch halt.
Oh ich muss anmerken, ich kann eigentlich nur Darija, das ist der marokkanische Arabisch Akzent. Hocharabisch gibt es im Radio aber auf der Straße gibts Darija. Das ist wie Schwizzerdeutsch und Hochdeutsch in der Schweiz. Glaub ich. Und als ich letztes Wochenende in Agadir war, das ist im Süden, da sprechen die Leute eher so Berberzeug.Und da kam ich mit meinem rechts und links im Taxi nicht weit! Hmmja aber schön ist es da unten. Vieeeele Surfer und noch mehr Surfer und Surfer. So coole, mit Sonnenbrille und Brett unter dem Arm und vor dem Kopf. Meistens Amis. Schade. Naja jedem das seine. Schön war es trotzdem.
So, für heute "safi"! (Genug)
B'slamma
Robbin

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Freitag, 13. März 2009

der sommer kommt

Samstag, 7. März 2009

zeit vergeht...

Hallo Leute, wie immer ist schon wieder viel Zeit vergangen und es ist viel passiert. Und bevor sich alles in einen grauen Schleier hüllt erzähl ich euch mal schenll was so los war.

Nachdem ich aus Madrid zurück kam war unser Chef und meine Mitbewohnerin immer noch in Deutschland auf einer Konferenz. Es war relativ gutes Wetter und ich hab viel mit Judith gechillt. War ne sehr relaxte Woche und wir haben das Leben hier in Marokko ganz gut genossen.

mit Judith am Meer

Herr Sick, einer unserer Profs aus Berlin, war hier und hat einen Workshop gegeben. Es ging um ein Programm, mit dem man Gebäude energetisch simulieren kann. Das heißt man kann schauen ob die Wärmedämmung was bringt oder wie groß eine Solaranlage sein müsste um nicht unter 15° zu kommen. Das ganze hatte einen praktischen Sinn, denn es gibt hier eine Schule auf dem Land im Atlas, die im Winter so kalt wird, dass die Kinder nicht zur Schule gehen. Denn es gibt weder Heizung noch isolierte Wände. Und im Gebirge wird es auch richtig kalt im Winter. Und wer will schon bei 0° lernen?

Nachdem Dieter wieder da war sind wir also zur Schule gefahrenum uns das ganze mal in echt anzuschauen. Die ganz Gegend ist ziemlich abgelegen und teilweise müssen die Kinder mehrere Kilometer laufen um dorthin zu gelangen. Ganz verstreut findet man hier und da ein Häuschen aus Lehm oder Backstein, mit einem kleinen Solarmodul auf dem Dach um sich wenigstens tagsüber mit Strom zu versorgen. Die ländliche Elektrifizierung ist hier übrigens in den letzten Jahren stark erweitert worden, nachdem der staatliche Energieversorger Solarmudule verteilt hat. Die Quote der Menschen mit Strom wuchs von 18% in 1995 auf 90%.

Häuser im Atlas mit Solarmodulen

Da schönes Wetter war waren die Kinder in der Schule und als wir ankamen war grade Pause. Heiiiii war das ein Aufruhr, passiert ja nicht alle Tage, das sich ein paar Europäer dorthin verirren. Während wir also das Haus vermaßen versammelte sich eine Schaar Kinder und begutachtete uns. Dann mussten sie aber ins Gebäude. Es gibt drei Klassen dort. Ich war natürlich neugierig und ging in eine Klasse in der der Lehrer noch nicht da war. Ich spürte meine Lehrerader hochkommen und nachdem ich meinen Namen auf arabisch an die Tafel geschrieben habe riefen alle ganz laut "RUBIN" und freuten sich genauso wie ich. Och Kinder sind ja so einfach zufrieden zu stellen! Dann kam der Lehrer und es gab eine Stunde arabische Poeme.


In der Schule

Wieder zurück beschäftigt sich jetzt unser neuer Praktikant Pete (ebenfalls FHTW - RESY)
mit den augenommenen Daten und simuliert mal die beste Lösung, damit die Kinder auch Winter was lernen können.

Wir haben übrigens noch einen Geocache in der Nähe gemacht, mussten auf einen Berg hochkraxeln und unter einem Fels lag das Versteck. Hatten eine supercoole Aussicht auf das Tal, den See und das Gebirge. Bilder folgen.

Heute fahre ich nach Essaouira in den Süden, wir haben fünf Tage frei wegen dem Propheten-Fest. Soll ein kleines pittoreskes Fischerdorf sein - mal schauen.

So, bis ganz bald!
Robbin

Montag, 23. Februar 2009

Geburtstag

Hallo, da bin ich wieder! Vielen Dank für all die lieben Gesburtstagsglückwünsche! Ich habe mich sehr gefreut, dass so viele an mich denken, auch wenn ich so weit weg bin. Bevor ich aber von meinem Geburtstag berichte muss ich jetzt mal die Gelegenheit nutzen und die Leute vorstellen, mit denen ich am meisten zu tun habe:

Aaalso zuerstmal hab ich ja garnicht erwähnt dass wir ne neue Praktikantin haben, womit die Schwaben jetzt eindeutig die Mehrheit im Büro stellen. Aber bis auf den kleinen Sprachfehler (Sorry Judith!) ist sie total lieb und auch ein wenig verrückt.
Ja von Katharina hab ich ja sicher schon das ein oder andere Mal erzählt. Sie ist meine Mitbewohnerin und schafft es mich auszuhalten was sicher nicht ganz einfach ist weil ich soviel rumblödel und wenn ich nicht ich wäre würde ich mir ganz schön auf die Nerven gehen.
Dann gibt es da noch eine andere Praktikantin, Anja, sie arbeitet im Wasserministerium gegenüber und kommt aus Berlin. Und so gut es mir hier auch geht (es geht mir wirklich verdammt gut hier) - ich vermisse die eine oder andere Sache aus Berlin schon... (zum Beispiel Spätis und Kickern und Schweinefleisch und Drehtabak) Naja wir trösten uns dann immer gegenseitig.
Dann gibt es den Andreas. Er ist echt Hardcore, hat schon alle möglichen Sachen in der ganzen Welt gemacht, Sri Lanka, Schwarzafrika,... und entspannt jetzt grade in Marokko als Consultant. Er ist super nett und immer dabei wenn was geht. Es geht übrigens immer irgendwas. Puh anstrengend manchmal. Na jedenfalls hat er so ne coole Art was jeden Ausflug zum Spaßausflug macht.
Dann gibt es noch Romain, der für eine deutsche Firma auch als Consultant arbeitet. (Hab ich jetzt gelernt: Consultans arbeiten viel und verdienen noch viel mehr) Er spricht rudimentär deutsch ("Isch 'abe mein deutsch gut morgen") und bringt damit alle zum lachen. Aber zum Glück können wir alle ziemlich gut Französisch! Naja fast alle! ;-) Krch ch ch! Ohne scheiß ich spreche mehr Englisch mit ihm als Französisch, das nervt mich! Aber ich mach ja jetzt nen Kurs., dann muss er auch nicht ne Minute warten bis ich meinen Satz mühevoll zu Ende gebracht habe.
Damit ist die kleine Familie komplett. So. Und wenn ich von "wir" spreche, ist das meist eine Crew aus den genannten fünf. Hier mal ein paar Bilder von uns:








Judith, Andreas, Katharina, Anja

Romain, Am Meer

So, und jetzt dazu wie wir gefeiert haben. Naja, erst waren wir bei uns zu Hause und haben angestoßen. Ich habe so lustige typisch marokkanische Ascessoirs geschenkt bekommen. Dann waren wir mal wieder im Yacoud. Die Band is echt so cool! Ham wa jetanzt wie es sich jehört!
Am nächsten Tag haben wir den ersten Geocache Rabats gemacht. Für alle, die es nicht kennen: is ne Art Schnitzeljagd mit nem GPS Gerät. Man läuft von Station zu Station, löst Rätsel und erhält damit die Koordinaten für die nächste Station. Unser Geocache führt durch die Medina (Altstadt und Basar) in die Oudaya (Festung), dann am Pier entlang zum Tour Hassan und dann zur Chellah, dem schönsten Platz Rabats. In einer alten Mauer haben wir eine Box versteckt, worin ein Logbuch liegt. Bin mal gespannt wann der erste den Cache lösen wird... Wer ihn mal sehen will schaue hier:
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?guid=490a5786-55c8-47a1-b0ce-96d313c5e1dc
Das hat super Spaß gemacht durch die Stadt zu laufen und sich die Rätsel zu überlegen.



Geburtstags- und Geocachegeschenke


Dieses Wochenende war ich in Marrakech und in Madrid. Auf dem Weg nach Marrakech sind wir an Wiesen vorbeigekommen, die bis zum Horizont mit Blüten bedeckt waren. Langsam wird es hier Frühling... ohh was freue ich mich wenn das Praktikum vorbei ist und ich endlich in den Atlas und die Wüste reisen kann... Voll schön auf jeden Fall.
Marrakech ist auch wunderschön, die "rote Stadt". Deshalb gibt es viele Touristen, weshalb es viele Nepper, Schlepper und Bauernfänger gibt, was manchmal etwas nervt. Aber wir kennen uns ja aus und mit einem "la, choukran khouja!" ("Nein danke Bruder") haben wir dann auch unsere Ruhe. Abends war ich mit Judith und Khadija tanzen, zu libanesischer und marokkanischer Musik. Am nächsten morgen ging dann mein Flug nach Madrid. Ich musste wegen dem Visum das Land verlassen und hab die Gelegenheit genutzt mir Madrid anzuschauen. Zufällig war an dem Tag Karneval und die ganze Stadt war verkleidet. Wir aus dem Hostel sind dann von Bar zu Bar und haben mitgefeiert. Man wie einfach doch Europa ist, man darf alles und Madrid hat viele Bars und ist eigentlich wirklich schön. War echt cool dort. Romain war auch in der Stadt, bei nem Kumpel, ihn habe ich aber erst im Flugzeug gesehen. Er sagte "du siehst so aus wie ich mich fühle" und wir mussten lachen...


Viva Espana

So far... Ich kümmer mich jetzt mal um meine Projektarbeit. Das Thema lautet "Stand und Entwicklung der Windenergie in Marokko: Stromgestehungskosten- und Marktwirtschaflichkeitsanalyse" Hört sich natürlich viel krasser an als es ist. Macht aber Spaß und ist interessant und ich lerne sogar noch was dabei.


Windpark in Nordmarokko - Simulation

Allée, bis zum nächsten Mal
B'slemma

Mittwoch, 11. Februar 2009

Das Leben II: gesellschaftliches

Hallo liebe Leser!

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich mich sehr freue, dass immer noch einige den Blog lesen. Jetzt ist wieder ne Woche rum und ich denke ich müsste mal wieder was schreiben. Aber was? Nicht, dass es nichts zu erzählen gäbe, im Gegenteil, und das ist ja das Problem, ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Tja... es wäre schön etwas Feedback dazu zu erhalten, ich möchte euch ja schließlich auch unterhalten!

Heute will ich euch mal ein kleinen Einblick in die Gesellschaft geben. Es wird etwas zusammenhangslos... also haltet eure Gedanken beisammen und taucht mit mir ein in das Leben!

Parallelgesellschaften im Yacoud An Katharinas Geburtstag sind wir ins "Yacoud" gegangen. Ist ein chilliger Laden mit ner super coolen afrikanischen Band, wo oft und gerne getanzt wird, und zwar zu Bob Marley oder afrikanischen Rythmen. Da sind auch viele Schwarzafrikaner, die auf ihrem Weg nach Europa in Marokko hängenbleiben. Sie saufen ordentlich und tanzen dann mit ihren Mädels wie in Rio (wo ich noch nie war aber so stell ich mir das vor). Eng und heftig.

Am nächsten Tag haben wir nen Ausflug gemacht zu nem Stausee auf dem Land, etwas weiter weg. Marokko geht grad echt unter in den Fluten die hier so runterkommen, ich weiß nicht ob man in Deutschland was davon mitbekommt, aber das regnet echt heftig in letzter Zeit. Naja und wir mussten quer durch den Matsch watscheln um ans Ufer von diesem See zu kommen. Ab und zu begegneten wir den Menschen vom Land, die mit ihren Eseln Feuerholz oder die Schafe nach Hause brachten. Ein freundliches Salamaleikum aus dem Mund einer gutgelaunten Gruppe Europäer war für viele doch ein Grund zum Stirnrunzeln, während wir uns fragten wieviel Kilo so ein Esel tragen kann. Gegenseitiges Begutachten. Nettes Lächeln. Blicke. Wie rauh das Leben auf dem Land ist. Und wie freundlich doch alle sind.

Auf dem Rückweg kamen wir wie so oft in ne Polizeikontrolle, nur dass wir diesmal anhalten mussten. Die Tatsache, dass wir zu viert auf dem Rücksitz waren, hat garnicht gestört (das machen viele so, vom Verkehr hab ich ja letztes Mal schon berichtet...). Wohl aber, dass ich meinen Ausweis nicht dabei hatte. Naja meine Krankenkassenkarte hats dann auch getan. In der Zelle einer Polizeistation mitten in der Pampa zu übernachten zählt wohl eher zu der Kategorie "Erfahrungen die man nicht unbedingt machen muss". Puh Glück gehabt, und ich musste ihn auch garnicht bestechen (wäre aber wohl auch gegangen, schließlich verdienen die nix wie ich schon mal berichtet habe als mein Fahrrad ... ähhh ... verlegt worden war).

Obama und König Mohammed VI Katharina hat zu ihrem Geburtstag von mir ein Bild vom König bekommen, das gehört in jedes Haus und in jedes Geschäft und hängt jetzt auch bei uns. Neben dem Poster von Obama. Der König ist übrigens Mohammed der VI. Er ist reich und hat Macht. Und er geht gerne jagen und Jetski fahren. Und alle seine Kumpels und Verwandten führen ein Leben in Saus und Braus. Und seine Frau hat rote Haare und kommt aus einer bürgerlichen Familie. Und man darf eigentlich garnicht soviel über ihn reden - er ist nämlich irgendwie heilig oder so oder zumindest einer der direkten Nachfahren des Propheten Mohammed. Ob das stimmt weiß ich nicht aber da der Geheimdienst ja vielleicht auch diesen Blog liest bezweifel ich das lieber nicht und rede von was anderem. Zum Beispiel (wenn wir grad bei ihm sind) von Obama. Mein Fitnesstrainer sieht so aus wie er. Jaahaa, Fitness mache ich hier, in nem "Fitnesscenter"! Das ist auch lustig mit den Marokkanern Sport zu machen. Die nehmen das alles irgendwie nicht so ernst (wie vieles andere auch). Vielleicht ein Grund warum Marokko keine gute equipe national hat, eine Nationalmannschaft. Puh... jetzt muss ich aber wirklich aufpassen...

zwischen Moderne und Tradition Ja also dann war da noch der Geburtstag von Anja, den sie in ihrer WG gefeiert hat. Da waren ganz vielen Marokkaner von der amerikanischen Uni in Ifrane an der sie studiert hat. Angeblich geht da immer einiges. Da ist von Drogen und Sex die Rede. Eieiei der westliche Einfluss... ohjee! Das ist aber auch alles echt komisch, denn hier gibt es noch mehr Parallelgesellschaften als bei uns: Fatima mit dem Kopftuch, die mit 20 verheiratet wird, M'hammed, der mit dem dicken Benz durchs schöne Agdal fährt und nen Haufen Kohle hat, Mustafa, der Taxifahrer, der am Rande der Stadt in einer Wellblechsiedlung wohnt, die demnächst dem Golfplatz für die Saudis weichen muss. Chafie, der Surfer, der amerikanische Mädels abschleppt weil die leichter zu haben sind, außer Aisha, die für ihre Familie etwas dazu verdient indem sie sich für Geschenke ausführen lässt... Man kann überhaupt nicht sagen: "die Marokkaner, die sind so und so". Nee, das kommt so krass darauf an aus welcher Schicht sie kommen und auch wie gläubig sie sind. Es gibt eine breite Mittelschicht, die wenig verdient und über die Runden kommen. Aber dann gibt es noch 1000de Nischen, den Funktionär, den Bauarbeiter, den Flaschensammler, den Beamten... den Berber, den Araber, den Afrikaner...

Wenn man Alkohol kaufen will sieht man auch wie weit die Klammer zwischen der Öffentlichkeit und dem Leben im Geheimen auseinander klafft. Man muss in einen extra Bereich wo bis 19 Uhr die Hölle los ist. Wirklich, die Leute kloppen sich fast um den Suff. Ich denke dann immer "ich habe wenigstens eine Legitimation hier zu sein, denn ich glaube nicht an Allah", und schaue verwundert zu wie die Gläubigen das Zeug in schwarze Tüten packen und sich vom Platze stehlen, als wäre es nur Wasser. Ob sie wohl ein schlechtes Gewissen haben?

Demonstration vor dem Parlament Naja das ist schon alles sehr verwunderlich. Ich habe das Gefühl in einer Gesellschaft voller hierarchischer Strukturen zu leben, mit tausenden unausgesprochenen Problemen und ungeschriebenen Gesetzen. Während bei uns alle in der gleichen Schlange stehen, kommen hier die Funktionäre schneller dran als der Straßenfeger. Selbst bei uns in der Kantine bekommen wir schneller Essen wenn unser ( hoch angesehener) Chef dabei ist.

Apropos ich habe Hunger... beim nächstn Mal gibts mehr!

Donnerstag, 29. Januar 2009

Das Leben I: der Verkehr

Huhu!

Das Leben hier ist schön ganz schön bizarr. Man läuft durch die Straßen, fährt mit dem Auto oder steht einfach nur da und beobachtet. Und man sieht tausend Dinge bei denen man sich denkt:" Häh, warum machen die das denn so?!" Und man wundert sich. Manchmal liegt es auf der Hand, manchmal versteht man es einfach nicht. Das Leben hier ist anders, manchmal witzig, machmal schockierend. Die kleinen Unterschiede sagen so viel aus über die Gesellschaft. Davon möchte ich euch heute und die nächsten Male gerne näher berichten. Heute fange ich mal mit dem Verkehr an. Die nächsten Male gibt es insha'allah (so Gott will/hoffentlich/mal kucken) mehr aufschlussreiches über das menschliche Miteinander, die Religion, den König das Verhältnis zu Ausländern und so weiter. Und los gehts.

Es gibt hier natürlich Fahrspuren, die durch Fahrbahnmarkierungen getrennt sind. Das ist den Leuten aber meistens egal. Da wird gedrängelt und überholt wo es nur geht. Und wenn rechts oder links noch ein bisschen Platz ist, dann wird dieser auch gnadenlos ausgenutzt. (-> siehe Ellbogengesellschaft. Mehr Beipiele dafür die nächsten Male insha'allah) Da muss dann auch schonmal die Gegenfahrbahn herhalten, so dass im Idealfall fünf bis sechs Autos auf drei Spuren nebeneinander her fahren.

Etwas gesitteter geht es mit den Ampeln zu (vorausgesetzt es gibt welche). Meistens hält man sich an die Farbe, die grade angezeigt wird. Der, der ganz vorne steht fährt bei rot aber immer über die Ampel rüber bis er sie nicht mehr sehen kann und wartet, bis der, der hinter ihm steht sieht, dass es grün wird und hupt. Dann fährt er los (insha'allah).

Das Hupen ist übrigens eine der Lieblingsbeschäftigungen der Autofahrer. Hupen heißt nämlich auch einfach "Heh", "Achtung, ich komme", "du Arsch", "fahr endlich" und so weiter. Und das benutzen dann auch alle, sowohl der, der über rot fahren will als auch der, der die Gegenfahrbahn für seine halsbrecherischen Manöver ausnutzt, und sich ärgert, dass ihm da grade einer entgegenkommt oder auch einfach wahllos im Stau. Eigentlich ist das Ellbogenverhalten ja ganz toll, denn so muss man einfach immer aktiv und aufmerksam sein, und meine persönliche Theorie ist ja, das dadurch viel weniger Unfälle entstehen.

Wenn man im Taxi sitzt und sich mit dem Fahrer unterhält, dann kommt natürlich auch schon mal die Frage auf, wo man denn herkommt. "Ahhh! Allemagne..." heißt es dann, und was kommt einem da in den Sinn??? Genau - Fußball. Zweitliebste Antwort: VW und Mercedes. Auf dem dritten Platz landet immer Hitler, und dann muss ich immer erklären, dass der ja eigentlich garnicht so ein netter Mensch war und außerdem schon Tod ist. Nunja, soviel zum Thema "das Bild der Deutschen im Ausland".

Ist man mit dem eigenen Auto unterwegs, muss man natürlich auch etwas umsichtig sein. Was da aber ganz toll ist, ist das Parksystem. Parkuhren gibt es wenige, das geht hier viel besser. Das funktioniert so: an jeder Ecke sitzt ein Mann mit Warnweste und bewacht seinen Block. Kommt man nun mit seinem Autochen angefahren, springt er gleich von seinem Hocker auf und winkt kräftig mit den Armen. Dabei ruft er unverständliche Sätze und zeigt anschließend auf eine Parklücke. Freundlich, wie die Menschen nunmal hier sind, hilft er einem natürlich beim Einparken. Kommt man später wieder zurück, hilft er einem freundlich wieder heraus. Und weil er so nett auf das Auto aufgepasst hat, gibt man ihm ein paar Dirham. So verdienen sie sich etwas und die Stadt spart sich teure Parkuhren. Toll!

Wenn man aus der Stadt rausfährt gibt es ganz viele Polizeikontrollen. Keine Ahnung warum. Alle 20 Kilometer muss man anhalten und wird entweder durchgewunken oder muss anhalten. Letztens mussten wir anhalten. Wir waren zu sechst, vier hinten zwei vorne. Ich hatte echt Schiss das wir jetzt blechen müssen. Das war aber nicht das Problem. Hier gibt es sogar Taxis, die extra für sechs Leute sind. Jeder Platz wird genutzt! ...ach, wenn sie in anderen Bereichen doch auch so ökonomisch wären... naja jedenfalls hatte ich keinen Ausweis dabei, und der Polizist, in Hoffnung auf etwas Bakschisch, meinte ich müsse wohl über Nacht hier bleiben, bis das geklärt ist. Nein, in der Pampa bleiben wollte ich nicht. Also zog ich meinen letzten Joker: meine Krankenversicherungskarte, wo auf der Rückseite 12 europäische Sterne glänzen, und meinte ich arbeite im MINISTERIUM. Daraufhin schaute sich der Polizist die Sterne an und sagte gute Fahrt. Puh, nochmal Glück gehabt. Vorsorglich habe ich jetzt mal meinen Ausweis kopiert und in den Geldbeutel gesteckt...

Zu den Autos muss man sagen, grade in Rabat, was ja eine Botschafter-Stadt ist, gibt es unheimliche viele dicke Karren, fette BMW's und Audis und so weiter. Teilweise noch mit dem abgelaufenen deutschen Überführungskennzeichen. Da sitzen dann marokkanische Prolls dahinter und versuchen auf diese Weise Frauen zu beeindrucken. Sie haben es ja sonst nicht einfach... (dazu auch ein andermal mehr). Der Rest der Autos ist meistens relativ alt. Schon toll zu sehen, dass ein 20 Jahre alter Mercedes mit 400.000km auf dem Buckel hier noch seinen Dienst tut.

Nun zu den Taxis. Sie stellen mindestens ein Drittel aller Autos. Das macht es zu jeder Tages- und Nachtzeit relativ einfach eins zu finden, dauert im Schnitt 30 sec. Es gibt petit Taxis und grands Taxis. Die kleinen fahren innerstädtisch, haben ein Taxometer und sind in Rabat blau, in anderen Städten haben sie andere Farben, z.B. rot in Casablanca. Sie sind IMMER Fiat Uno. Ich glaube ALLE Fiat Uno die jemals in Europa gefahren sind fahren mittlerweile in Marokko. Eine Fahrt von 10 min kostet etwa nen Euro. Dabei kann es passieren, dass der Fahrer auch mal anhält und andere Leute, die in die gleiche Richtung wollen (durch Handzeichen kenntlich gemacht) mitnimmt. Dann geht es wieder mit gehupe und gedrängle quer durch den Verkehr...



Ein petit Taxi - Möbeltransporter